WANTET – Was macht Tutoring effektiv?

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Prof. Dr. Jörg Wittwer

Abteilung Empirische Lehr- und Lernforschung

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WANTET


Was macht Tutoring effektiv?

What makes human tutoring effective?

Tutoring ist eine besonders wirksame Methode des Lernens, bei dem ein Lehrender mit einem Lernenden interagiert. Was die Wirksamkeit dieser Methode auszeichnet, ist allerdings nicht ausreichend geklärt. Deshalb untersuchen wir in unserem Projekt, welche Rolle Lehrende und Lernende für den Erfolg von Tutoring spielen. Insbesondere interessieren wir uns dafür, inwieweit Lehrende das Verständnis von Lernenden im Laufe des Tutoring diagnostizieren und auf dieser Grundlage passende Strategien zur Unterstützung der Wissenskonstruktion der Lernenden einsetzen. Unsere Studien zeigen, dass Lehrende das Tutoring dominieren, indem sie häufig Erklärungen geben, die nicht besonders lernförderlich sind. Zudem nehmen Lehrende irrtümlicherweise an, dass Lernende am Ende des Tutoring mehr Wissen erworben haben, als es tatsächlich der Fall ist. Schließlich fällt es Lehrenden häufig schwer, auf die von Lernenden geäußerten Verständnisschwierigkeiten während des Tutoring angemessen einzugehen, so dass Lerngelegenheiten ungenutzt bleiben.

Kontakt: Prof. Dr. Jörg Wittwer

Finanzierung: Eigenmittel und Deutsche Forschungsgemeinschaft

Veröffentlichungen

Herppich, S., Altmann, A., Wittwer, J., & Nückles, M. (2017). Förderung von Instruktionsstrategien zum verbesserten Diagnostizieren im Eins-zu-Eins-Tutoring. In A. Südkamp & A.-K. Praetorius (Hrsg.), Diagnostische Kompetenz von Lehrkräften. Theoretische und methodische Weiterentwicklungen (S. 203–208). Waxmann.

Herppich, S., Wittwer, J., Nückles, M., & Renkl, A. (2016). Expertise amiss: Interactivity fosters learning but expert tutors are less interactive than novice tutors. Instructional Science, 44, 205–219. https://doi.org/10.1007/s11251-015-9363-8

Herppich, S., Wittwer, J., Nückles, M., & Renkl, A. (2014). Addressing knowledge deficits in tutoring and the role of teaching experience: Benefits for learning and summative assessment. Journal of Educational Psychology, 106, 934–945. https://doi.org/10.1037/a0036076

Wittwer, J., Nückles, M., Landmann, N., & Renkl, A. (2010). Can tutors be supported in giving effective explanations? Journal of Educational Psychology, 102, 74–89. https://doi.org/10.1037/a0016727

EINSTEIN – Die Bewertung wissenschaftsbezogener Informationen

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Prof. Dr. Jörg Wittwer

Abteilung Empirische Lehr- und Lernforschung

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EINSTEIN


Die Bewertung wissenschaftsbezogener Informationen

Evaluation of science-related explanations

Erklärungen spielen für Menschen eine wichtige Rolle. Sie geben uns ein Gefühl des Verstehens, auch wenn dieses Gefühl trügerisch sein kann. In dem Projekt interessieren wir uns dafür, wie Menschen wissenschaftsbezogene Erklärungen bewerten. Mit wissenschaftsbezogenen Erklärungen meinen wir Erklärungen, die aus den Wissenschaften stammen, aber so aufbereitet sind, dass sie allgemein verständlich sind. Ein Beispiel hierfür sind medizinische Erklärungen zu Krankheiten, die man in öffentlich zugänglichen Gesundheitsportalen lesen kann. Wir untersuchen, welche Merkmale von Erklärungen und welche Merkmale von Personen die Bewertung wissenschaftsbezogener Erklärungen beeinflussen und wie viel Wissen Personen durch das Lesen wissenschaftsbezogener Erklärungen erwerben. Die Ergebnisse unserer Studien zeigen, dass Personen irrelevante Merkmale von Erklärungen als Grundlage für ihre Bewertung heranziehen und die Berücksichtigung relevanter Merkmale von Erklärungen als Grundlage für die Bewertung von der Lesekompetenz der Personen abhängig ist. Zudem stimmt das Gefühl des Verstehens nicht besonders gut mit dem überein, was man nach dem Lesen einer Erklärung tatsächlich versteht.

Kontakt: Prof. Dr. Jörg Wittwer

Finanzierung: Eigenmittel und Deutsche Forschungsgemeinschaft

Veröffentlichungen

Ihme, N., & Wittwer, J. (2015). The role of consistency, order, and structure in evaluating and comprehending competing scientific explanations. Instructional Science, 43, 507–526. https://doi.org/10.1007/s11251-015-9349-6

Wittwer, J., & Ihme, N. (2014). Reading skill moderates the impact of semantic similarity and causal specificity on the coherence of explanations. Discourse Processes, 51, 143–166. https://doi.org/10.1080/0163853X.2013.855577

SPOT – Selbsteinschätzung der Professionskompetenz von Lehrkräften

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Prof. Dr. Jörg Wittwer

Abteilung Empirische Lehr- und Lernforschung

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SPOT


Selbsteinschätzung der Professionskompetenz von Lehrkräften

Self-perceptions of teachers

Professionelle Kompetenz umfasst das Wissen von Lehrkräften, das nötig ist, um erfolgreich unterrichten zu können. Zur professionellen Kompetenz gehört auch die Fähigkeit, die Stärken und Schwächen im eigenen Wissen genau einzuschätzen. Beispielsweise ist es wichtig, dass eine Lehrkraft beurteilen kann, wie viel Wissen sie über eine Lernmethode besitzt, um entscheiden zu können, ob sie fähig ist, diese Lernmethode im Unterricht erfolgreich anzuwenden. Bislang hat die Forschung Selbsteinschätzungen von Lehrkräften als Teil ihrer Selbstregulationsfähigkeiten selten untersucht. Stattdessen stehen häufig Selbstwirksamkeitserwartungen im Mittelpunkt der Forschung. Selbstwirksamkeitserwartungen sind auch eine Form von Selbsteinschätzungen, haben aber weniger eine selbstregulatorische als eine motivationale Funktion. Deshalb sollten Selbstwirksamkeitserwartungen im Gegensatz zu Selbsteinschätzungen nicht genau, sondern hoch sein. In dem Projekt untersuchen wir, wie genau Lehrkräfte ihr Wissen einschätzen können, welche Auswirkungen ungenaue Selbsteinschätzungen auf die Qualität ihrer Unterrichtsvorbereitung haben und wie Selbsteinschätzung und Selbstwirksamkeitserwartung zusammenhängen.


Kontakt: Helen Ernst

Finanzierung: Eigenmittel und Wissenschaftliche Gesellschaft Freiburg

Veröffentlichungen

Ernst, H. M., Wittwer, J., & Voss, T. (2018, August 27–30). Individual differences in teacher candidates’ judgment accuracy regarding their professional knowledge [Paper presentation]. Conference of the Special Interest Group “Metacognition” of the European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI), Zurich, Switzerland.

Ernst, H. M., Wittwer, J., & Voss, T. (2018, Februar 15–17). Wie genau schätzen angehende Lehrkräfte ihr Professionswissen ein? [Vortrag]. 6. Tagung der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung (GEBF), Basel, Schweiz.

Ernst, H. M., Wittwer, J., & Voss, T. (2017, September 11–14). Wie genau schätzen angehende Lehrkräfte ihr Professionswissen ein? [Vortrag]. 1. gemeinsame Tagung der Fachgruppen Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (paEpsy) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Münster, Deutschland.

LeA – Lernen und Autismus

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Prof. Dr. Jörg Wittwer

Abteilung Empirische Lehr- und Lernforschung

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LeA


Lernen und Autismus
Learning and Autism

Mittlerweile gehen viele autistische Schüler*innen in Deutschland auf eine Regelschule. Damit inklusive Beschulung gelingen kann, ist es notwendig, dass Lehrkräfte mit den Besonderheiten autistischer Schüler*innen kompetent umgehen können. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sich die Forschung intensiver mit den Besonderheiten im Lernen autistischer Schüler*innen beschäftigt. Auf diese Weise können neue Erkenntnisse gewonnen werden, die Lehrkräfte nutzen können, um autistische Schüler*innen evidenzbasiert zu fördern. In dem Forschungsprogramm untersuchen wir sowohl autismusspezifische Kompetenzen von Lehrkräften als auch das Lernen autistischer Schüler*innen.

TEAL

Subjektive Theorien von Lehrkräften über Autismus und Lernen
Teachers’ subjective theories about autism and learning

Die Forschung zeigt, dass Lehrkräfte an Regelschulen eine positive Einstellung gegenüber der Inklusion autistischer Schüler*innen aufweisen. Allerdings verfügen sie gewöhnlich über wenig Wissen über Autismus und besitzen kaum Kenntnisse über Maßnahmen zur gezielten Förderung des Lernens autistischer Schüler*innen. Stattdessen können bei ihnen fehlerhafte Vorstellungen über Autismus vorhanden sein, die ihren Umgang mit autistischen Schüler*innen ungünstig beeinflussen. Vor diesem Hintergrund interessieren wir uns in dem Projekt speziell für die subjektiven Theorien von Grundschullehrkräften über Autismus. Mit subjektiven Theorien meinen wir Annahmen und Überzeugungen, welche die Form einer Theorie annehmen und deshalb wie wissenschaftliche Theorien Erklärungen und Vorhersagen erlauben. Wir untersuchen, welche subjektiven Theorien Grundschullehrkräfte über den Zusammenhang zwischen Autismus und Lernen besitzen und wie diese subjektiven Theorien sie in ihrer Diagnose der schulischen Leistungsfähigkeit autistischer Schüler*innen beeinflussen.


Kontakt: Prof. Dr. Jörg Wittwer

Kooperation: Prof. Dr. Andreas Köpfer (Pädagogische Hochschule Freiburg)

Finanzierung: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (DiaKom 2 – Diagnostische Kompetenz von Lehrkräften)

Veröffentlichungen

Wittwer, J. (2021). Autismus: Ein Überblick über Lernvoraussetzungen und Fördermaßnahmen. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 36(1–2), 19–36. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000326

Wimmer, L., Steininger, T. M., & Wittwer, J. (2022, 10.-11. März). Wie lernen autistische Menschen Kategorien? Eine Metaanalyse [Posterpräsentation]. 2. Digitale Wissenschaftliche Tagung Autismus-Spektrum.

Restayn, A.-M., Köpfer, A. & Wittwer, J. (2021, 29. September-1. Oktober). Subjektive Theorien von Lehrkräften über den Zusammenhang zwischen Autismus und schulischer Leistung [Vortrag]. Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft – Sektion Sonderpädagogik .

Wittwer, J. (2021, 17. September). Inklusion und Autismus: Ein aktueller Forschungsstand zu Lernvoraussetzungen und Fördermaßnahmen. In A. Köpfer (Chair), Inklusion und Autismus [Symposium]. digiGEBF Inklusion und Bildung.

Restayn, A.-M., Köpfer, A. & Wittwer, J. (2021, 17. September). Subjektive Theorien von Lehrkräften über den Zusammenhang zwischen Autismus und schulischer Leistung. In A. Köpfer (Chair), Inklusion und Autismus [Symposium]. digiGEBF Inklusion und Bildung.

ASTRONAUT

Förderung autismusspezifischer Kompetenzen bei Lehrkräften
Autism-specific training for general education teachers

Da Lehrkräften an Regelschulen häufig autismusspezifische Kompetenzen fehlen, ist es naheliegend, den Erwerb solcher Kompetenzen bei Lehrkräften zu fördern. Die Forschung zeigt, dass autismusspezifische Trainings geeignet sind, Lehrkräfte im Aufbau von Wissen über Autismus, im Einsatz evidenzbasierter Praktiken zur Förderung des Lernens und in der Selbstwirksamkeit im Umgang mit autistischen Schüler*innen zu unterstützen. Die eigenständige Aneignung autismusspezifischer Kompetenzen hingegen ist weniger erfolgversprechend. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir in dem Projekt E-Learning-Angebote, in denen Lehrkräfte autismusspezifische Kompetenzen erwerben sollen. Bei der inhaltlichen Gestaltung der Trainings orientieren wir uns an Kompetenzmodellen aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum sowie an den Standards der Council for Excpetional Children. In die didaktische Konzeption der Trainings fließen Modelle des Instructional Design ein, mit denen der Erwerb theoretischen und praktischen Wissens wirksam unterstützt werden kann.


Kontakt: Prof. Dr. Jörg Wittwer

Finanzierung: Eigenmittel

MY CAP

Metaanalyse zur Kategorisierungsleistung autistischer Menschen
Meta-analysis on the categorization of autistic persons

Autistische Menschen werden nicht selten Fähigkeiten abgesprochen, die das Wesen unseres Menschseins ausmachen. Hierzu gehört auch die Fähigkeit zu kategorisieren. Mit Kategorisieren ist gemeint, dass wir Dinge aufgrund von Gemeinsamkeiten zusammenfassen. Kategorisieren hat viele Funktionen: Es hilft uns beim Verstehen (Dieses Tier ist eine Kuh.), beim Lernen (Ein Hund kann beißen.), beim Erklären (Er schaut mir beim Gespräch nicht in die Augen, weil er sozial ängstlich ist.), beim Handeln (Diese Person hat eine Grippe. Ich halte lieber Abstand.) und beim Kommunizieren (Verwendung desselben Begriffs für dieselbe Kategorie). In dem Projekt führen wir eine Metaanalyse durch, um einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Kategorisieren autistischer Menschen zu geben. Wir möchten die Frage beantworten, wie gut autistische Menschen im Vergleich zu nicht-autistischen Menschen kategorisieren können und welche Faktoren ihr Kategorisieren beeinflussen. Zu diesen Faktoren gehören Merkmale der zu erlernenden Kategorien wie deren Komplexität, aber auch Merkmale der autistischen Menschen wie ihr Entwicklungsstand.


Kontakt: Prof. Dr. Jörg Wittwer, Dr. Lena Wimmer

Finanzierung: Eigenmittel

MAY – Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses

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Prof. Dr. Jörg Wittwer

Abteilung Empirische Lehr- und Lernforschung

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MAY


Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses

Metacomprehension Accuracy

Lesen ist eine grundlegende Kulturtechnik, mit der man sich neues Wissen aneignen kann. Wenn man liest, um zu lernen, ist es jedoch wichtig, genau einschätzen zu können, wie gut man die in einem Text gelesenen Informationen verstanden hat. Nur dann kann man sein weiteres Lernen optimal steuern und dadurch möglichst viel Wissen erwerben. Stellt man bei der Selbsteinschätzung beispielsweise fest, einen Text nicht gut verstanden zu haben, kann man ihn noch einmal lesen und so vorhandene Verständnisschwierigkeiten beseitigen. Tatsächlich neigen die meisten Menschen beim Lesen dazu, ihr Textverständnis zu überschätzen, während einige Menschen ihr Textverständnis unterschätzen. Deshalb lernen sie in der Regel nicht optimal aus Texten.



META

Metananalysen zur Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses

Meta-analyses of metacomprehension accuracy

Häufig stehen Lernende vor der Herausforderung, in begrenzter Zeit Wissen aus mehreren Texten erwerben zu müssen. In diesem Fall ist es wichtig, dass sie einschätzen können, welche Texte sie besser und welche Texte sie schlechter verstanden haben. Nur auf der Grundlage genauer Einschätzungen können sie dann effektive Entscheidungen über ihr weiteres Lernen treffen. Beispielsweise könnten sie einen schlecht verstandenen Text noch einmal lesen und nicht Zeit für das nochmalige Lesen eines bereits gut verstandenen Texts verschwenden. Die Forschung zeigt allerdings, dass Lernende nicht akkurat zwischen Texten, die sie gut verstehen, und Texten, die sie schlecht verstehen, unterscheiden können. Woran liegt es, dass Lernende solche Schwierigkeiten beim Einschätzen ihres eigenen Verständnisses beim Lernen aus Texten haben? Und wie lässt sich die Genauigkeit von Selbsteinschätzungen beim Lernen aus Texten erhöhen? Um diesen Fragen nachzugehen und Bedingungen für erfolgreiches selbstreguliertes Lernen aus Texten zu identifizieren, fassen wir in verschiedenen Metaanalysen den aktuellen Forschungsstand zur Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Verständnisses beim Lernen aus Texten zusammen.

Kontakt: Dr. Anja Prinz

Finanzierung: Eigenmittel

Veröffentlichungen

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2020). How accurately can learners discriminate their comprehension of texts? A comprehensive meta-analysis on relative metacomprehension accuracy and influencing factors. Educational Research Review, 31, 100358. https://doi.org/10.1016/j.edurev.2020.100358

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2022). Addendum to: How accurately can learners discriminate their comprehension of texts? A comprehensive meta-analysis on relative metacomprehension accuracy and influencing factors. Educational Research Review, 36, 100435. https://doi.org/10.1016/j.edurev.2022.100435

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2020). To what extent do situation-model-approach interventions improve relative metacomprehension accuracy? Meta-analytic insights. Educational Psychology Review, 32, 917-949. https://doi.org/10.1007/s10648-020-09558-6

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2019, August 12–16). Meta-analyses on relative metacomprehension accuracy and interventions to improve it [Paper presentation]. 18th Biennial Conference of the European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI), Aachen, Germany.

METASTIC

Die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses beim Lernen aus statistischen Texten

Metacomprehension accuracy in reading statistics texts

Wenn Lernende etwas Neues lernen, haben sie häufig bereits Vorstellungen über den neuen Lernstoff. Diese Vorstellungen können allerdings fehlerhaft sein. In diesem Projekt untersuchen wir, welche Auswirkungen fehlerhafte Vorstellungen auf das Verständnis und die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Verständnisses beim Lernen aus Texten haben. Speziell interessieren wir uns für fehlerhafte Vorstellungen im Bereich der Statistik, die oft weit verbreitet sind. Unsere Studien zeigen, dass fehlerhafte Vorstellungen beim Lesen von statistischen Texten nicht nur das Verständnis, sondern auch die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Verständnisses beeinträchtigen. Um diesen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken, entwickeln wir Instruktionsmethoden, mit denen fehlerhafte Vorstellungen überwunden werden können. Diese Methoden setzen wir in Studiengängen ein, in denen statistische Grundkenntnisse vermittelt werden.


Kontakt: Dr. Anja Prinz

Finanzierung: Eigenmittel und Wissenschaftliche Gesellschaft Freiburg

Veröffentlichungen

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2019). Refutation texts compensate for detrimental effects of misconceptions on comprehension and metacomprehension accuracy and support transfer. Journal of Educational Psychology, 111(6), 957–981. https:/doi.org/10.1037edu0000329

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2018). The double curse of misconceptions: Misconceptions impair not only text comprehension but also metacomprehension in the domain of statistics. Instructional Science, 46(5), 723-765. https://doi.org/10.1007/s11251-018-9452-6

PROTECT

Die Rolle von personen- und textbezogenen Merkmalen für die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses

Person- and text-related characteristics in metacomprehension accuracy

Wenn Menschen lernen, indem sie Texte lesen, unterscheiden sie sich gewöhnlich darin, wie genau sie ihr Textverständnis einschätzen. Einige Menschen schätzen sich genau ein, andere Menschen überschätzen ihr Textverständnis, während andere Menschen sich unterschätzen. Warum Unterschiede in der Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses zwischen Menschen bestehen, ist bislang nur unzureichend geklärt. Es ist anzunehmen, dass sowohl Merkmale von Lernenden wie ihre Lesekompetenz als auch Merkmale von Texten wie ihre Verständlichkeit die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses beeinflussen. Deshalb ist es das Ziel unseres Projekts, diejenigen Merkmale von Lernenden und Texten zu identifizieren, die einen besonders großen Effekt auf die Genauigkeit der Selbsteinschätzung des Textverständnisses ausüben. Wir interessieren uns dafür, in welcher Ausprägung diese Merkmale vorliegen sollten, damit sie zu einer möglichst genauen Selbsteinschätzung führen. Die Erkenntnisse können dazu beitragen, Unterstützungsmaßnahmen für Lernende zu gestalten und Lehrenden Hinweise zur Gestaltung von Texten zu geben.


Kontakt: Dr. Stefanie Golke

Finanzierung: Eigenmittel und Wissenschaftliche Gesellschaft Freiburg

Veröffentlichungen

Golke, S., & Wittwer, J. (2017). High-performing readers underestimate their text comprehension: Artifact or psychological reality? In Gunzelmann, G., Howes, A., Tenbrink, T., & Davelaar, E. (Eds.), Proceedings of the 39th Annual Conference of the Cognitive Science Society (pp. 2108-2113). Cognitive Science Society.

Golke, S., & Wittwer, J. (2017, September 11–14). Unterschätzung des Textverständnisses bei leistungsstarken Lernenden: Realität oder Artefakt? In A. Prinz & S. Golke (Chairs), Wodurch werden ungenaue Selbsteinschätzungen beim Textverstehen beeinflusst und wie können sie verhindert werden? [Symposium]. 1. gemeinsame Tagung der Fachgruppen Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (paEpsy) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Münster, Deutschland.

Golke, S., & Wittwer, J. (2017, July 26–29). High-performing readers underestimate their text comprehension: Artifact or psychological reality? [Poster presentation]. 39th Meeting of the Cognitive Science Society, London, United Kingdom.

Golke, S., & Wittwer, J. (2017, März 12–15). Unterschätzung des Textverständnisses bei leistungsstarken Lernenden: Realität oder Artefakt? In A. Prinz & S. Golke (Chairs), Herausforderung Metakognition: Wodurch werden ungenaue Selbsteinschätzungen beim Textverstehen beeinflusst und wie können sie verhindert werden? [Symposium]. 5. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Heidelberg, Deutschland.

EMOTE

Die Rolle von Emotionen beim Lernen aus Texten

Emotions and learning from texts

Freude, Hoffnungslosigkeit und Wut sind Beispiele für Emotionen, die Menschen erleben können. Auch in Lern- und Leistungssituationen können unterschiedliche Emotionen auftreten und den Lernerfolg beeinflussen. Inwieweit Emotionen auch eine Rolle spielen, wenn man aus Texten lernt, ist bislang relativ wenig erforscht. Deshalb führen wir in dem Projekt Labor- und Felduntersuchungen durch, um die Frage zu beantworten, wie Emotionen mit dem Textverständnis und der Selbstregulation zusammenhängen. Erste Ergebnisse zeigen, dass positive Emotionen nicht immer lernförderlich und negative Emotionen nicht immer lernhinderlich sind. Ob Emotionen einen Einfluss auf das Lernen haben, scheint davon abzuhängen, ob sie sich auf den Lernstoff beziehen oder nichts mit der eigentlichen Lernsituation zu tun haben. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Lehrende und Lernende Wissen über den Einfluss von Emotionen und über Maßnahmen zur Steuerung lernförderlicher Emotionen zu vermitteln.


Kontakt: Dr. Anja Prinz

Finanzierung: Eigenmittel

Veröffentlichungen

Prinz, A., Bergmann, V., & Wittwer, J. (2019). Happy but overconfident: Positive affect leads to inaccurate metacomprehension. Cognition and Emotion, 33(3), 606–615. https://doi.org/10.1080/02699931.2018.14725533.

Prinz, A., Golke, S., & Wittwer, J. (2019, April 5–9). Running out of hope: Negative achievement emotions lead to poorer text comprehension and greater underconfidence [Paper presentation]. Annual Meeting of the American Educational Research Association (AERA), Toronto, Canada.

NARRA

Instruktionale Erzähltexte als geeignete Methode zur Unterstützung des Verständnisses?

Informative Narratives and Comprehension

Das Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von Oliver Sacks informiert auf unterhaltsame Weise über neurologische Krankheiten. Stephan und Lucy Hawking laden in ihrem Buch „Der geheime Schlüssel zum Universum“ zu einer Abenteuerreise, auf der sie Erkenntnisse über Astrophysik vermitteln, ein. Auch informative Erzähltexte verfolgen die Idee, das Lernen zu verbessern, indem Sachinformationen in spannende Geschichten verpackt werden. Deshalb sind sie populär und finden zunehmend Eingang in den Schulunterricht. Allerdings zeigen erste Untersuchungen, dass man Sachinformationen in informativen Erzähltexten nicht besser lernt. Stattdessen überschätzt man das eigene Leseverständnis, wodurch weitere lernförderliche Aktivitäten ausbleiben. In unserem Projekt überprüfen wir, unter welchen Bedingungen informative Erzähltexte lernförderlich und lernhinderlich sind.


Kontakt: Dr. Stefanie Golke

Finanzierung: Eigenmittel

Veröffentlichungen

Golke, S., Hagen, R., & Wittwer, J. (2019). Lost in narrative? The effect of informative narratives on text comprehension and metacomprehension accuracy. Learning and Instruction, 60, 1–19. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2018.11.003

Golke, S., Hagen, R., & Wittwer, J. (2016, August 23–26). Does narrative mean less (meta-)cognitive? Metacomprehension accuracy of expository and narrative texts [Paper presentation]. Conference of the Special Interest Group “Metacognition” of the European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI), Nijmegen, Netherlands.

Golke, S., Hagen, R., & Wittwer, J. (2016, März 7–11). Ist narrativ gleich weniger (meta-)kognitiv? Die Genauigkeit metakognitiver Einschätzungen bei expositorischen und narrativen Texten [Vortrag]. 4. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Berlin, Deutschland.

CuPha – Curriculum Phasenübergreifend im Lehramt

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Prof. Dr. Thamar Voss

Abteilung Empirische Schul- und Unterrichts­entwicklungs­forschung

thamar.voss|at|ezw.uni-freiburg.de



Alle Forschungsprojekte der Abteilung

CuPha


Curriculum Phasenübergreifend im Lehramt

Coherent curriculum across the phases of teacher education

Das Lehramt am Standort Freiburg wird von den Hochschulen – der Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule Freiburg – zusammen mit den Seminaren für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg getragen. Während die Hochschulen für die erste Phase der Lehrer*innenbildung verantwortlich sind, sind für das Referendariat (zweite Phase) und das Schulpraxissemester im gymnasialen Lehramt die Seminare für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte zuständig. Die phasenspezifischen Curricula sind bislang unzureichend aufeinander abgestimmt. Das Ziel des Projekts CuPha ist es daher, die Studierenden dabei zu unterstützen, die Bedeutung von theoretischen und empirischen Erkenntnissen, die in der ersten Phase vermittelt werden, für die schulpraktischen Erfahrungen zu verstehen. Um dies zu erreichen, werden die Lerngelegenheiten der Phasen der Lehrer*innenbildung an Hochschulen und Seminaren für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte curricular und instruktional miteinander verzahnt.

Theoretische Grundlage für die Verzahnung ist der Core Practice Ansatz (Forzani, 2014). Core Practices sind Kerntätigkeiten, die häufig im Unterricht vorkommen, in verschiedenen Fächern relevant sind und das Lernen der Schüler*innen effektiv unterstützen. Beispiele für solche Kerntätigkeiten sind Störungen vorbeugen, Kooperatives Lernen anleiten, Testaufgaben erstellen, Feedback geben oder Erklären. Für die erfolgreiche Ausübung der Core Practices ist es notwendig, verschiedene Wissenskomponenten zu erwerben: Konzepte, Prinzipien und Prozeduren. Auf der Grundlage der Identifikation der für die erfolgreiche Ausführung einer Core Practice notwendigen Wissenskomponenten können passgenaue Lehr-Lern-Formen zu deren Förderung entwickelt werden (Smith & Ragan, 2005).

Im Rahmen des Projekts CuPha setzen wir dieses Vorgehen wie folgt um (siehe Abbildung): Ausgehend von ausgewählten Core Practices werden (1) die Inhalte und Qualifikationsziele bestimmt, (2) die zur Erreichung notwendigen Wissenskomponenten definiert und in Lernziele überführt, (3) Lehr-Lern-Formen zur gezielten Förderung der identifizierten Wissenskomponenten entwickelt, (4) diese Lehr-Lern-Formen über das Studium sequenziert und (5) anhand von Kompetenztests das Erreichen der Lernziele überprüft.

Die Lehr-Lern-Formen werden in den Veranstaltungen an den Hochschulen und den Begleitveranstaltungen der Praxisphasen (Seminare für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg) verankert sowie in Form von fächerverbindenden und Theorie-Praxis-verbindenden Lernaufgaben in ein studienbegleitendes E-Portfolio implementiert.

Kontakt: Prof. Dr. Thamar Voss, Prof. Dr. Jörg Wittwer, Prof. Dr. Matthias Nückles

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der 2. Förderphase des Freiburger Projekts FACE in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung



Veröffentlichungen

Voss, T., Wittwer, J., & Nückles, M. (2019). Kohärenz zwischen Theorie und Praxis durch Fokussierung auf Core Practices. Ein instruktionspsychologischer Ansatz zur Abstimmung der Phasen der Lehrerbildung. In BMBF (Hrsg.), Profilbildung im Lehramtsstudium. Beiträge der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ zur individuellen Orientierung, curricularen Entwicklung und institutionellen Verankerung (S. 123–131). BMBF.

Wittwer, J., Kratschmayr, L., & Voss, T. (2019). Wie gut erkennen Lehrkräfte typische Fehler in der Formulierung von Lernzielen? Unterrichtswissenschaft, 48, 113–128. https://doi.org/10.1007/s42010-019-00056-5


COCO

Förderung des konzeptuellen Wissens von Lehramtsstudierenden im Bereich Klassenführung

Developing student teachers’ conceptual knowledge about classroom management through case comparison

Beginnende Lehrkräfte erleben häufig die Prävention von Unterrichtsstörungen und den Umgang mit solchen Störungen als sehr herausfordernd. Ziel des Projekts ist es daher, den Aufbau von Klassenführungskompetenzen über die Phasen der Lehrer*innenbildung hinweg systematisch zu unterstützen. Wir entwickeln Lernangebote zur Förderung des konzeptuellen Wissens im Bereich Klassenführung und prüfen die Wirksamkeit dieser Lernangebote in experimentellen Studien mit Lehramtsstudierenden. Vor dem Hintergrund der Forschung zu case comparison untersuchen wir, wie die Auseinandersetzung mit kontrastierenden Fallbeispielen den Aufbau des konzeptuellen Wissens optimal unterstützt. Zudem nehmen wir in den Blick, wie die Bearbeitung der Fallbeispiele die Einstellungen der Lehramtsstudierenden verändert.

Kontakt: Julia Kienzler, Prof. Dr. Thamar Voss

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der 2. Förderphase des Freiburger Projekts FACE in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Veröffentlichungen

Kienzler, J., Voss, T., & Wittwer, J. (2020, März 25–27). Kontrastiert statt isoliert? Aufbau konzeptuellen Wissens bei angehenden Lehrkräften [Posterpräsentation]. 8. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Potsdam, Deutschland.

Veröffentlichungen

Voss, T., Zeeb, H., Dehmel, A., & Fauth, B. (in press). Forschungsmethoden in der Lehrerbildung. In C. Cramer, M. Drahmann, J. König, M. Rothland, & S. Blömeke (Hrsg.), Handbuch Lehrerbildung. Klinkhardt/UTB.

EXCITED

Beispielbasierter Erwerb von Konzepten zum formativen Assessment in der Lehramtsausbildung

Example-based learning of concepts about formative assessment in teacher education

Das Lehramtsstudium vermittelt professionelle Kompetenzen, die für die erfolgreiche Ausübung von Tätigkeiten im Beruf der Lehrkraft notwendig sind. Ein zentraler Bestandteil professioneller Kompetenzen ist das Wissen über Konzepte. Konzepte tragen dazu bei, berufliche Anforderungen zu verstehen, und steuern dadurch das professionelle Handeln. Beispielsweise ist es bei der Planung von Unterricht wichtig zu verstehen, welche unterschiedlichen Arten von Wissen Schüler*innen erwerben müssen, um ein bestimmtes Lernziel zu erreichen. Auf dieser Grundlage können dann geeignete Lernmethoden für den Unterricht ausgewählt werden. Im Projekt interessieren wir uns dafür, wie man im Lehramtsstudium den Erwerb von Konzepten speziell zum formativen Assessment durch Beispiele fördern kann. Wir untersuchen, inwieweit es für das Lernen von Konzepten einen Unterschied macht, wie Beispiele im Lernmaterial angeordnet sind, wie intensiv Studierende Beispiele verarbeiten und wie wichtig der inhaltliche Bezug der Beispiele zu den Unterrichtsfächern ist.

Kontakt: Tim Steininger

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Verbundprojekt FACE – Researching Practice – Practicing Research im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung)